Archiv der Kategorie: Passionsandachten

PASSIONSANDACHTEN – Ab sofort hier veröffentlicht.

Liebe Gemeindeglieder, es ist zur Zeit nicht möglich, unsere Passionsandachten gemeinsam zu halten, indem wir uns am gewohnten Ort dazu treffen.

In den ersten Wochen der Fastenzeit haben wir in den Passionsandachten das Evangelium des vergangenen Sonntags betrachtet. Dies soll hier auf der Homepage weitergeführt werden.

Wir bitten Gott, dass er uns und alle Menschen in dieser Zeit bewahre, und ich hoffe, dass die Veröffentlichung dieser Betrachtung auf der Homepage manchen „Mit-Betrachtenden“ findet.

Betrachtung für Mittwoch, 25. März

Johannes 12,20-26:
Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der von Betsaida aus Galiläa war, und baten ihn und sprachen: „Herr, wir wollten Jesus gerne sehen.“ Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagen’s Jesus weiter. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: „Die Zeit ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s erhalten zum ewigen Leben. Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.“

„Wer sein Leben lieb hat, der wird’s verlieren.“
Darf man nicht gerne leben?
Jesus will uns davor bewahren, unsere Liebe an den vergänglichen Teil des Lebens zu verschenken.
Das Wort warnt vor der Überbewertung des Materiellen.
Es lässt uns darüber hinausblicken ins Ewige.
Es ermutigt zu Hingabe, zu Verzicht, zu Ruhe.
Der das sagt, hat alles gegeben, sogar sein Leben.

Wer Jesus vertraut, der folge ihm darin:
Der verzichte! Der gebe ab! Der teile!
„Wer sein Leben auf dieser Welt hasst,
der wird’s erhalten zum ewigen Leben.”

Symbolisch spricht Jesus vom Weizenkorn.
Das ist er selbst: Sein Weg in Tod und Grab.
Das Vergehen und Werden. Das Aufbrechen neuen Lebens,
hervorsprießende Frucht, Hoffnung und Mut und Leben.

Das Weizenkorn steht auch für uns Christen:
Wo wir uns selbst hingeben, werden wir wirklich frei,
weil die Liebe Gottes die Angst besiegt.
Die Liebe, die Jesus Christus für uns hat.

Wer sich verwandeln lässt wie ein Korn in der Erde,
wächst über sich hinaus, hinein in Gottes Ewigkeit.

Was soll ich lassen,
damit Frucht gedeiht und Leben und Segen hervorbrechen
an meinem Weg?

Betrachtung für Mittwoch, 18. März

Als Jesus und seine Jünger auf dem Wege nach Jerusalem waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.

Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.

Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.

Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Lukas 9,57-62 (Evangelium für den Sonntag Okuli)

Ein Gebet um Gottes Segen zur Betrachtung seines Wortes:

Herr, mein Gott, lieber Vater! Ich danke dir für das Wort des Lebens. Es gilt auch mir! Ich bitte dich, rede zu mir, dass mich dieses Wort zum wahren Leben führe – zum Leben, das hier schon beginnt, und das ich einst schauen darf. In meiner Taufe hast du mir das verheißen, und darauf verlasse ich mich. AMEN

Liebe Gemeinde,

der vergangene Sonntag trägt den klangvollen Namen „Okuli“ – zu deutsch: „die Augen“. Woher kommt dieser Name?

In Psalm 34 heißt es: „Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.“

Und in Psalm 25 lesen wir: „Mein Augen sehen stets zu dem Herrn, denn er wird meinen Fuß aus dem Netze ziehen.“

Daher der Name „Okuli“.

Gott sieht Dich an. Gott hat Dich im Blick. – Was für eine gute Botschaft, was für eine ermutigende Botschaft, in diesen Zeiten! – Und wir blicken auf ihn, indem wir den Herrn Jesus Christus sehen.

Im Sonntags-Evangelium begegnet Jesus drei Menschen. Er kommt mit ihnen ins Gespräch.

Er sieht ihnen „tief in die Augen“.

Er weiß, was einem jeden zu sagen ist.

Er will ihre Blicke auf das lenken, was wichtig ist für die Nachfolge – für den Glauben also!

Zugleich blickt Jesus schon anderswo hin. Davon lesen wir wenige Verse zuvor:

„Und es begab sich aber, als die Zeit erfüllt war, dass Jesus in den Himmel aufgenommen werden sollte, da wandte er das Angesicht, entschlossen, nach Jerusalem zu wandern.“

Jesu Augen ruhen also auf diesen drei Menschen, mit denen er hier gerade zu tun hat und mit denen er redet. Jesu Augen schauen zugleich schon nach Jerusalem. Er sieht den Leidens- und Sterbens-Weg – den Weg, auf dem unsere Sünde ans Kreuz genagelt wird – es ist der Weg, über den auch Du einmal in den Himmel aufgenommen werden sollst.

Das alles steht Jesus vor Augen – Jesus Christus – dem menschgewordenen, lebendigen Gott!

Aber nun geht es auch um Deine Augen. Es geht auch um Deinen Blick. – Wohin blickst Du in dieser Zeit, in diesen Tagen?

Kein Zweifel: Alle miteinander stehen wir in der Gefahr, dass unser Blick erstarrt. Dass wir ganz und gar eingenommen werden von dieser Pandemie, der wir ausgesetzt sind. Die wir nicht beherrschen.

Und ich verstehe: Das kann Angst machen. Ja, das macht Angst.

Jesu Gesprächspartner hatten auch ihren Blick. Jeder seinen eigenen. Jeder, wie er es will mit der Nachfolge, wie er es sich wünscht mit dem Glauben. – Und Jesus? Er ist nicht sofort hellauf begeistert. Er ist eher zurückhaltend. Er äußert Bedenken. Als wolle er sagen: Löse deinen Blick! Starre nicht nur auf das Eine! Schau nicht auf Dich – schau nach vorn – und das heißt auch: Schau auf den, der da vor dir steht! Schau auf mich! Ich bin‘s doch – Jesus Christus!

Liebes Gemeindeglied, das sollst du wissen:

Hier und jetzt redet der lebendige und auferstandene Jesus Christus mit dir.

Hier und jetzt schaut der lebendige Gott Dich an.

Hier und jetzt hat er Dich und Deine Angst im Blick – der, der alles in seinen Händen hält.

Hier und jetzt will er mit Dir gehen, Dir den Arm um die Schulter legen, und sagen: Starre nicht nur auf das Eine! Sieh nicht nur auf das, was Angst macht. Sieh her zu mir, und sieh, was ich tue!: Ich werde deinen Fuß aus dem Netz ziehen. Ich werde Dich bewahren vor dem „Netz“, vor den Fallen, die nicht nur Dir, sondern vielen anderen ebenso gestellt sind. Schau auf mich, denn ich weiß auch um Deinen Weg!

„Okuli“ – Gottes Augen. Gott ist da! Seine gnädigen Augen blicken Dich an.

„Okuli“ – Deine Augen. Auf dem Weg des Glaubens siehst Du auf Jesus Christus, folgst ihm nach – bist nicht ohne ihn unterwegs.

Gott will Dich und Deinen Blick aus aller Erstarrung lösen – und Dir die Augen öffnen für den wunderbaren Blick nach vorn – für den Ausblick auf sein Reich, und auf das, was er tat, was er heute tut und was er auch für Deine Zukunft vorbereitet hat! AMEN

Herr, mein Gott! Öffne meine Augen – löse sie aus aller Erstarrung – und gib mir einen weiten Blick. Gib mir einen Blick für den Menschen in meiner Nähe und für das, was er oder sie jetzt braucht – und gib mir Augen für Dich, und für das Reich Gottes. In dir, Jesus Christus, hat es ja begonnen. Dafür danke ich Dir! AMEN

Und der Friede Gottes welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre dein Herz und deine Sinne in Christus Jesus.