Gründonnerstag: Gebet in der Kirche oder zuhause

Ich trete ein.

Ich finde meinen Platz.

Ich komme zur Ruhe beim Schein der brennenden Kerze.

Ich bin da, vor Gott.  – Das ist genug.

Nichts soll mich jetzt ablenken.

Ich werde still und bete leise:

Ich will hintreten zum Altar Gottes, zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist.

Ich singe oder spreche:

(Gesangbuch EKG 154,1-2)

1 Jesus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt,

durch das bitter‘ Leiden sein half er uns aus der Höllen Pein.

2 Dass wir nimmer des vergessen, gab er uns sein Leib zu essen,

verborgen im Brot so klein, und zu trinken sein Blut im Wein.

Ich rufe zu Gott:

Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe!

Sei mir nahe mit deiner Gnade. Erhöre mein Gebet.

Herr ich rufe dich an für deine Gemeinde – für alle, die auf dich hoffen und zu dir rufen: Verleihe ihnen Vergebung und Frieden, dass sie einst dein Heil schauen im ewigen Leben.

Ich lese Psalm 111

Ich bete weiter:

Herr, barmherziger Vater, du bist heilig. Was du tust, das hat Bestand.

Mitten hinein in diese Welt sendest Du deinen Sohn. Sein Weg führt ans Kreuz. Dorthin, wo Heil und Leben geschaffen wird für die Welt. Für alle, die an ihn, den Gekreuzigten glauben.

Und am Passah-Abend, am Vorabend seines Sterbens, hat er für uns das Abendmahl gestiftet. Davon hören wir. Daran denken wir. Dafür danken wir – auch wenn es uns jetzt verwehrt ist, das Mahl zu feiern.

Ich lese / ich höre die Lesungen dieses Tages:

2. Mose 12,1.3-4.6-7.11-14        Stille

1. Korinther 11,23-29               Stille

Ev. Johannes 13,1-15.34-35       Stille

Gründonnerstag – der Tag, an dem das Abendmahl im Zentrum steht. Ich habe gelesen, ich habe gehört, was davon berichtet ist. Von der Gemeinschaft, die uns Jesus Christus bietet. In, mit und unter dem Brot und Wein. Doch da ist das Gebot, den Nächsten zu schützen. Und so ist uns in dieser Zeit solche Gemeinschaft verwehrt.

Was bleibt, ist die Sehnsucht. Die Sehnsucht, es eines Tages wieder feiern zu dürfen. Die Sehnsucht, wieder ganz eins zu werden mit dem Herrn Christus. Die Sehnsucht, im neuen, ewigen Leben zu stehen. Im Leben, das mir ja in der Taufe zugeeignet worden ist. Die Sehnsucht, das zu empfangen, zusammen mit den Glaubensgeschwistern. Ach, was würde ich darum geben, das auch an diesem Ort zu haben!

Ich bete mit eigenen Worten, voller Sehnsucht im Herzen.

Ich stehe auf, um weiter zu beten, mit vielen anderen verbunden:

Vater unser im Himmel …..

Ich halte Ausblick:

Mit der Kirche Gottes auf Erden trete ich an diesem Abend ein in das höchste Fest, das die Christenheit feiert an diesen kommenden drei Tagen der „Heiligen Woche“: die Tage der Kreuzigung, der Grabesruhe und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus.

Der Evangelist Markus bezeugt die Worte, die Jesus nach dem Abendmahl an seine Jünger richtete:

Wahrlich, ich sage euch, dass ich nicht mehr trinken werde vom Gewächs des Weinstocks bis an den Tag, an dem ich aufs neue davon trinke im Reich Gottes.

Ich singe oder spreche, und bitte Gott, dass er mich segne:

Herr, erbarm, erbarme dich, auf uns komme, Herr, dein Segen,

leit‘ und schütz uns väterlich, bleib bei uns auf unsern Wegen.

Auf dich hoffen wir allein, lass uns nicht verloren sein.

Wer mag, bezeichne sich mit dem Zeichen des Kreuzes.

Ich verweile schweigend.

Dann verlasse ich still die Kirche