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Ostern: Jesus ist Auferstanden! Er lebt! Heute. Hier. Jetzt.

Als der Sabbat vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus,
und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und den Leichnam Jesu zu salben. Und sie
kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie
sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und
wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß. Und sie gingen
hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes
weißes Gewand an, und sie entsetzten sich. Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr
sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da
die Stätte, wo sie ihn hinlegten. Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er
vor euch hingeht nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat. Und sie
gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und
sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich. (Markus 16,1-8)

Liebe Gemeinde,

was für ein Evangelium! Eigentlich ist es gerade KEIN Evangelium! Denn statt dass sich
Freude ausbreitet, fährt diesen Frauen Zittern und Entsetzen in die Glieder. Sie erschrecken,
nehmen die Beine unter die Arme und ergreifen die Flucht.
Der erste Schreck, als die drei Frauen sich dem Grab Jesu nähern: Es ist geöffnet worden! Der
zweite Schreck: Da macht sich einer im Grab zu schaffen! – Spätestens jetzt sind die Frauen
völlig neben der Spur!
Damit nicht genug – dieser Unbekannte, dieser Bote aus der jenseitigen Welt, aus der
Transzendenz, aus der Welt Gottes, spricht sie jetzt auch noch an: Entsetzt euch nicht! Ihr
sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da
die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
Er ist auferstanden! Der Tod konnte ihn nicht halten! – Die Frauen können nicht mehr vorbei
an dem Gefühl, und an dem Gedanken: Hier hat Gott eingegriffen! Die Grenze des Todes hat
ein Loch bekommen.

Wir merken: Jetzt wird es schwierig! Denn wir wissen ja, was in unserer Welt zählt: Das
Leben im Hier und Jetzt, und wenn der Tod kommt, – was sollte da noch werden? Was sollte
da noch kommen? Also: Das mit Gott und mit einem Leben nach dem Tod, was soll das?
Humbug! sagen viele, können mit so einer Botschaft nichts mehr anfangen, und bleiben in den
materiellen Dingen stecken.
Gut, wir können die Auferstehung nicht beweisen. Aber andererseits: Es kann auch niemand
beweisen, dass es keine Auferstehung gibt.
In der Tat: Die Nachricht von der Auferstehung Jesu präsentiert uns eine ganz andere
Wirklichkeit Gottes. Und sie stellt unser Denken dadurch radikal in Frage.

Aber wie nun weiter? – Der Gottes-Bote aus der Transzendenz macht das, was Menschen mit
einem anderen Menschen tun, der in Schockstarre ist: Er klärt die nächsten Schritte. Er zeigt
auf, wie es weitergehen kann. Dieser Bote sagt den Frauen: Geht zu seinen Jüngern! Die

sollen nach Galilä gehen. „Da werdet ihr ihn (den Auferstandenen) sehen, wie er euch gesagt
hat.“
Galiläa. Dort hatte alles begonnen. Von dort stammten die Jünger. Dort hatte Jesus sie
berufen. Aber Galiläa stand auch für die Gegend, wo die Menschen nicht so richtig fromm
waren. Die gehörten eigentlich gar nicht so voll und ganz dazu.
Galiläa – darüber hatte auch schon ein Prophet Jesaja prophezeit. Was hatte der gesagt: Es
wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind. Hat er in früherer Zeit in Schmach
gebracht das Land Sebulon und das Land Naftali, so hat er hernach zu Ehren gebracht den
Weg am Meer, das Land jenseits des Jordans, das Galiläa der Heiden. Das Volk, das im
Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande,
scheint es hell. (Jesaja 8,23 – 9,1)

Mag ein Land noch so finster und ohne Gott sein – Jesus, der Auferstandene, ist dennoch da.
Dort, im finstern Lande, sollen ihn die Frauen und die Jünger sehen. Sollen ihm begegnen.
Und dann: An ihn glauben!
Der Auferstandene wird den Jüngern vorangehen. Wenn sie in Galiläa ankommen, wird er
schon da sein, wird ihnen dort erscheinen. Dort, im finstern Lande. werden sie ihn sehen. Und
hell wird es dort werden, im finsteren Lande, weil der auferstandene Jesus Christus da ist,
weil er gegenwärtig ist.

Es kann sein, dass es schon in diesem Jahr so weit ist, dass in unserem Lande die Zahl derer,
die einer der christlichen Großkirchen angehören, unter 50 % sinken wird. Das Christentum
wird damit zukünftig bis auf Weiteres erst mal die Minderheit der Bevölkerung sein. –
Regional ist das noch mal unterschiedlich, und in einigen Bundesländern ist das nicht erst seit
gestern Realität.
Doch mag ein Land auch noch so sehr ohne Gott sein – wo auch immer wir leben und wo
auch immer wir hinkommen,– Jesus ist immer schon da. An welcher Tür wir auch klingeln –
der lebendige Herr erwartet uns. Wir bewegen uns nicht auf ungewissem Terrain. Wir sind
immer unterwegs in einem Land, in dem Jesus Christus schon da ist. Denn er hat den Tod
überwunden, er lebt und herrscht.
Wir dürfen feste Schritte tun, denn wir kommen als Menschen, die den Auferstandenen
bezeugen.

Und unsere Füße können auch dann noch sichere Schritte tun, wenn sich das Ende unseres
irdischen Weges abzeichnet. Wenn sich Schmerzen bemerkbar machen, die nicht einfach so
wieder weg sind. Wenn sich die zuerst noch unscheinbaren und klitzekleinen Vorboten des
Todes einstellen. Wenn im Rückblick auf das Leben, das wir hatten, sich auch Ernüchterung
mischt – hinein in die Dankbarkeit, die wir hoffentlich auch haben und empfinden.
Ernüchterung, die sich breitmacht, wenn der alte Mensch uns immer noch einflüstern will:
„Das wars dann wohl!“ …. – Diese Einflüsterung wird in Frage gestellt, durch den
auferstandenen Jesus Christus. Ihn konnte der Tod nicht festhalten. Er erweist sich als der
Lebendige. Und heute und alle Tage unseres Lebens lädt er uns ein, mit ihm zu gehen. Durch
den Tod hindurch ins Leben der Auferstehung. Darüber freut euch, heute und immer! Amen.
Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
((Predigt, gehalten in Fürstenau, Rothenberg und Erbach am Osterfest 2022. Prediger:Pfr.
Eberhard Ramme)